Klimaa­npassung bei
Veranstal­tungen

Handlungsempfehlungen für die Planung und Durchführung von Veranstaltungen mit Wetterextremen

Grundprinzipien für wetterfeste Veranstaltungen

Von der Risikoanalyse bis zur Kommunikation im Krisenfall

Klimaanpassung in der Praxis

Wie sich Maßnahmen zur Sicherheit und Organisation sinnvoll verbinden lassen

Maßnahmenkatalog & Checklisten

Detaillierte Handlungsempfehlungen zu Hitze, Sturm und Starkregen

Klimawandel und Wetterextreme einplanen

Extreme Wetterereignisse nehmen zu – und mit ihnen die Anforderungen an Veranstalter*innen. Ob Stadtfest, Sportturnier oder Open-Air-Konzert: Wetterbedingte Risiken müssen heute Teil jeder Veranstaltungsplanung sein. Klimaanpassung bedeutet, diese Risiken zu erkennen, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen und Abläufe so zu gestalten, dass Veranstaltungen auch unter schwierigen Bedingungen sicher durchgeführt werden können. Das Ziel: Schutz für Besucher*innen, aber auch Mitarbeiter*innen – und gleichzeitig ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und Infrastruktur.
Klimatische und andere externe Risiken lassen sich nicht vollständig verhindern und keine Veranstaltung kann eine absolute Sicherheit gewährleisten. Umso wichtiger ist es, dass für den Eintrittsfall geeignete Strategien zur Bewältigung möglicher Auswirkungen vorbereitet und implementiert werden. Jede Veranstaltung ist individuell. Erst eine standort-, format- und situationsbezogene Risikoanalyse einschließlich Gefährdungsbeurteilung ermöglicht die Ableitung passgenauer Maßnahmen für den jeweiligen Veranstaltungsfall. Die bereitgestellten Inhalte basieren auf einer Planung unter Berücksichtigung realistischer Worst-Case-Szenarien. Sie dienen als fachliche Orientierung und stellen allgemeine Empfehlungen dar. Neben den organisatorischen und technischen Maßnahmen liegt ein Teil der Verantwortung jedoch auch bei den Besucher*innen selbst.

Grundprinzipien einer wetterfesten Veranstaltung­splanung

Wetterextreme und Sicherheit

Jede Veranstaltung beginnt mit einer individuellen Standortbewertung: Welche Flächen sind wind- oder regenanfällig? Gibt es Gefahren durch Hitze oder unzureichende Entwässerung? Schon einfache Geländeanalysen, ergänzt durch lokale Wetterdaten, können Risiken sichtbar machen. Die Risikoanalyse gilt als Grundlage für ein Sicherheitskonzept und entsprechende Evakuierungspläne.

Mehr Informationen zur Risikoanalyse (Fallbeispiel)

 

Um im Fall von Wetterextremen schnell handlungsbereit zu sein, ist ein individuell angepasstes Evakuierungskonzept maßgeblich. Dies ist für Veranstaltungen, deren Art und Größe es erfordert, Teil des Sicherheitskonzepts, sollte aber auch für kleinere Veranstaltungen erstellt werden.

Mehr Informationen zur Evakuierung (Fallbeispiel)

 

Legen Sie im Team fest, wer im Falle von Wetterwarnungen Entscheidungen trifft, wer kommuniziert und wer welche Aufgaben übernimmt. Ein kleines Kernteam oder sogenannter Krisenstab mit definierten Zuständigkeiten sorgt dafür, dass Maßnahmen ohne Zeitverlust umgesetzt werden.

Eine enge Abstimmung mit Feuerwehr, Rettungsdienst, Ordnungsamt und Sicherheitsdiensten hilft, im Ernstfall koordiniert zu handeln. Wetterdienste, Bauhöfe und Stadtwerke oder Wasserverbände sind wichtige Partner*innen, wenn es um Frühwarnungen oder kurzfristige Unterstützung geht.

Für die sichere Durchführung einer Veranstaltung ist eine kontinuierliche Wetterbeobachtung zwingend erforderlich. Dazu sollte eine verantwortliche Person benannt werden, die während des gesamten Veranstaltungszeitraums (inkl. Auf- und Abbauzeiten) regelmäßig die aktuellen Wetterentwicklungen überprüft und relevante Informationen unmittelbar an die Veranstaltungsleitung weitergibt.

Die Nutzung qualitativ hochwertiger Wetteranwendungen kann hierbei unterstützen (z.B. dwd, Kachelmann). Entscheidend ist, dass die verwendeten Apps eine hohe räumliche und zeitliche Auflösung bieten sowie verlässliche Daten zur Verfügung stellen. Ggf. können auch eigene Wetterstationen, die Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windstärke, etc. direkt am Standort abbilden, eine sinnvolle Ergänzung sein.

Insbesondere für Großveranstaltungen kann zusätzlich eine professionelle Wetterberatung unterstützen. Diese bietet standort- und stundengenaue Prognosen sowie eine kontinuierliche Lageeinschätzung durch erfahrene Meteorolog*innen, wodurch frühzeitige Entscheidungen zu Schutzmaßnahmen oder Unterbrechungen erleichtert werden.

Informieren Sie Ihre Besucher*innen transparent – über Lautsprecher, Social Media, LED-Tafeln oder Aushänge. Klare und ruhige Kommunikation schafft Vertrauen und hilft, Missverständnisse oder Panik zu vermeiden. Zudem steigert es die Selbstverantwortung der Besucher*innen.

Infrastruktur & technische
Sicherheit

Eine robuste und wetterangepasste Infrastruktur ist entscheidend, um Risiken zu minimieren. Detaillierte Maßnahmen finden Sie auf den Extremwetterseiten Hitze , Sturm und Starkregen .

Sorgen Sie für befestigte, rutschfeste und barrierefreie Wege. Halten Sie Zufahrten für Einsatzfahrzeuge jederzeit frei.

Planen Sie wetterfeste Stromverteilungen, erhöhte Kabelwege und Schutzeinhausungen für empfindliche Geräte.

Überprüfen Sie regelmäßig Entwässerungssysteme und halten Sie Pumpen, Sandsäcke oder temporäre Wassersperren bereit.

Definieren Sie überdachte oder geschlossene Orte, an denen sich Besucher*innen bei Extremwetter vorübergehend aufhalten können.

Nutzen Sie geprüfte, wetterbeständige Materialien – insbesondere für Stände, Pavillons und temporäre Bauten.

Organisation & Krisenmanagement

Selbst mit sorgfältiger Vorbereitung lassen sich Extremwetterereignisse nicht ausschließen. Entscheidend ist, wie schnell und koordiniert reagiert werden kann.

Bestimmen Sie ein Kernteam, das bei Wetterwarnungen zusammentritt und Entscheidungen trifft. Es sollten insbesondere der Sicherheitsdienst, die Feuerwehr und der Rettungsdienst in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Auch die technische Leitung kann durch ihre Expertise fachlich unterstützen.

Sorgen Sie für klare Informationswege zwischen Veranstaltungsleitung, Krisenstab und innerhalb des Organisationsteams. Im Fall von kurzfristig auftretenden Wetterextremen ist ein schnelles Handeln erforderlich, sodass die Entscheidung zur Räumung oder Evakuierung schnellstmöglich kommuniziert werden sollte. Ein möglicher Weg ist von der Veranstaltungsleitung über festgelegte Bereichsleitungen an die jeweiligen Teams zur kommunizieren.

Halten Sie alle sicherheitsrelevanten Entscheidungen und Maßnahmen schriftlich fest (z.B. Fotos, Notizen-App). Das schafft Nachvollziehbarkeit und Rechtssicherheit, auch für Versicherungen.

Analysieren Sie nach jeder Veranstaltung, welche Maßnahmen funktioniert haben und wo Verbesserungsbedarf besteht.

Hitze

Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzestress, Trinkwasserversorgung und Schattenmanagement.

Sturm

Maßnahmen zur Sicherheit bei Windlasten, Aufbaukontrollen und Evakuierungsplanung.

Stark- und Dauerregen

Maßnahmen zur Geländegestaltung, Entwässerung und Sicherung der technischen Infrastruktur.
Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzestress, Trinkwasserversorgung und Schattenmanagement.
Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen

Sturm

Schon moderate Windböen können die Infrastruktur beschädigen
Bereits geringe Windgeschwindigkeiten können bei Veranstaltungen ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellen. Leichte bauliche Strukturen wie Pavillons können abheben, gelöste Bauteile können zu Verletzungen von Personen und Blockaden von Rettungswegen führen. Im Fokus stehen daher konkrete Maßnahmen – von der Sicherung temporärer Infrastrukturen bis hin zur Planung und Umsetzung von Evakuierungsmaßnahmen.
Maßnahmen zum Schutz vor Sturm

Klimaanpassung als Daueraufgabe

Klimaanpassung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Jede Veranstaltung bietet die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und Strukturen weiterzuentwickeln. Wer Verantwortung übernimmt, trägt nicht nur zur Sicherheit bei, sondern stärkt auch die Resilienz der gesamten Veranstaltungsbranche.

» Mehr zur Klimaanpassung erfahren

Mehr über KlimaEvent erfahren

KlimaEvent ist eine gemeinsame Initiative der Gemeinde Bad Essen, der Universität Osnabrück und der Hochschule Osnabrück. Das Projekt entwickelt praxisnahe Handlungshilfen, um kommunale Veranstalter*innen, Vereine und Organisationsteams dabei zu unterstützen, öffentliche Veranstaltungen sicher, klimaresilient und verantwortungsbewusst zu planen.