Starkregen und langanhaltende Niederschläge zählen zu den häufigsten Wetterrisiken für Veranstaltungen im Freien. Innerhalb kurzer Zeit können große Wassermengen zu überfluteten Flächen, Stromausfällen oder Schäden an der Infrastruktur führen. Dauerregen wiederum weicht Böden auf, belastet Materialien und erschwert den Auf- und Abbau erheblich.
Für Veranstalter*innen bedeutet das, Gelände und Abläufe so zu planen, dass Regenwasser kontrolliert abfließen kann und im Ernstfall festgelegte Abläufe greifen. So lassen sich Unterbrechungen vermeiden und die Sicherheit von Besucher*innen und Mitarbeiter*innen gewährleisten.
Die Checkliste „Starkregen“ unterstützt dabei, Veranstaltungen auf mögliche Gefahren durch hohe Niederschlagsmengen vorzubereiten. Weitere allgemeine Hinweise zur Klimaanpassung sowie Sicherheits- und Kommunikationskonzepte finden Sie auf der Übersichtsseite »Wetterunabhängige Empfehlungen«.
Klimatische und andere externe Risiken lassen sich nicht vollständig
verhindern und keine Veranstaltung kann eine absolute Sicherheit
gewährleisten. Umso wichtiger ist es, dass für den Eintrittsfall geeignete
Strategien zur Bewältigung möglicher Auswirkungen vorbereitet und
implementiert werden.
Jede Veranstaltung ist individuell. Erst eine standort-, format- und
situationsbezogene Risikoanalyse einschließlich Gefährdungsbeurteilung
ermöglicht die Ableitung passgenauer Maßnahmen für den jeweiligen
Veranstaltungsfall.
Die bereitgestellten Inhalte basieren auf einer Planung unter Berücksichtigung
realistischer Worst-Case-Szenarien. Sie dienen als fachliche Orientierung und
stellen allgemeine Empfehlungen dar. Neben den organisatorischen und
technischen Maßnahmen liegt ein Teil der Verantwortung jedoch auch bei den
Besucher*innen selbst.
Langfristige, präventive Maßnahmen, die bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden sollten – etwa bei der Standortwahl, Infrastruktur oder Kommunikation.
Kurzfristige Maßnahmen, die unmittelbar vor und während der Veranstaltung greifen, zum Beispiel bei hohen Temperaturen bzw. ab bestimmten Grenzwerten.
Schon in der frühen Planungsphase lassen sich viele Schritte einleiten, um die negativen Auswirkungen von Starkregen auf Besucher*innen und Mitarbeiter*innen zu verringern. Dabei sollten nicht nur Veranstalter*innen selbst aktiv werden: Auch Gastronomie, Stadtplanung, Sicherheitsdienst, Rettungsdienst, Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk können wichtige Partner*innen in der Vorbereitung sein.
Bestehende Gefährdungsbeurteilungen und Sicherheitskonzepte sollten um Aspekte in Bezug auf Gefahren durch hohe Niederschlagsmengen ergänzt werden. Ebenfalls können bereits veröffentlichte Starkregengefahrenkarten durch die Bundesländer, Städte oder Landkreise als Grundlage für die Risikoanalyse genutzt werden.
Die frühzeitige Entwicklung von Evakuierungsszenarien kann bei kurzfristigem Eintreten von Starkregen Abläufe vereinfachen und beschleunigen. Dafür sollte im Vorfeld ein Krisenstab definiert werden, der im Krisenfall zusammenkommt. Berücksichtigt werden sollten hier der Sicherheitsdienst, Rettungsdienst, Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk ab. Zusätzlich kann das Festlegen von Sicherheitszonen (festgelegte Bereiche der Veranstaltungsfläche mit entsprechenden Zuständigkeiten), Sammelstellen und transparenten Kommunikationsketten im Team den Evakuierungsprozess vereinfachen.
Es sollte eine Person (inkl. Vertretung) definiert werden, die das Wetter hinsichtlich kritischer Entwicklungen beobachtet (z. B. mithilfe der Wetterdaten vom DWD) und die Veranstaltungsleitung entsprechend frühzeitig informiert.
Bei größeren Veranstaltungen lohnt sich ggf. die Zusammenarbeit mit einer Wetterberatung. Diese liefert aktuelle, stunden- und ortsgenaue Updates zum Wetter am Veranstaltungsort. Das Personal sollte vorab in Evakuierungsabläufen und Zuständigkeiten informiert und geschult werden.
Informationen bei Wetterwarnungen sollten an Personal und Besucher*innen weitergegeben werden – z. B. über Bühnenmoderation, Leinwände, Social Media oder Lautsprecherdurchsagen. Dabei gilt es, im Vorfeld angemessene Formulierungen zu finden.
Eine spezielle Veranstaltungs-Unwetterversicherung kann finanzielle Risiken im Schadensfall abdecken. Wichtig ist die lückenlose Dokumentation von Aufbau- und Evakuierungsplänen sowie von Entscheidungen im Evakuierungsprozess.
Nach der Veranstaltung sollte bewertet werden, welche Maßnahmen wirksam waren, und daraus sollte eine Präventionsstrategie für künftige Veranstaltungen entwickelt werden.
Die Funktion und Reinigung der Entwässerungssysteme und Abwasserkanäle sollten regelmäßig, aber insbesondere vor (Groß-)Veranstaltungen von den zuständigen Institutionen (Stadtwerke, Wasserverband) überprüft werden. In neuralgischen Zonen können temporäre Wassersperren oder mobile Pumpen helfen, Wasser gezielt abzuleiten. Diese müssen im Fall von Dauer- oder Starkregen entsprechend kurzfristig zur Verfügung stehen.
Leicht geneigte oder befestigte Flächen mit Gullys, Drainagen und Notüberläufen eignen sich für eine Veranstaltung am besten. Wenn der Untergrund nach längerem Regen nicht tragfähig ist (z. B. Ackerflächen als Parkplatz), sollten vorab alternative Bereiche, etwa befestigte Park- oder Stadtflächen, ermittelt werden.
Anstelle einfacher Zelte oder Pavillons, die bei hohen Niederschlägen häufig nicht standhalten, sollten wetterfeste Bauten wie z. B. Holzhütten verwendet werden.
Stromverteiler und Bühnentechnik sollten mindestens 30 cm über dem Boden positioniert und gegen Feuchtigkeit (Schutzklasse IP65+) gesichert werden. Kabelbrücken oder Akku-Technik können elektrische Risiken zusätzlich verringern. Mehrfachstecker, etc. müssen gegen Feuchte abgedichtet werden (Schutzklasse IP65+).
Für den Einsatz eigener Zelte und Bauten, beispielsweise von Aussteller*innen und Essensständen, kann ein Merkblatt mit den lokalen Vorschriften erstellt und an die Standbetreiber*innen verteilt werden. Dieses Merkblatt kann Hinweise zu fliegenden Bauten, aber auch zu temporären Aufbauten enthalten, die nicht direkt unter die Kategorie der fliegenden Bauten fallen, wie etwa Pavillons. Zudem sollten Standsicherheitsnachweise vorgelegt werden, die die relevanten Grenzwerte für Wind- und andere Lasten enthalten.
Im Vertragsanhang kann darüber hinaus festgehalten werden, dass die Verantwortung im Schadensfall bei den Standbetreiber*innen liegt, um eine klare haftungsrechtliche Regelung zu gewährleisten.
Verankerungen, Zelte, Fahnen und Bauzäune sollten vor Veranstaltungsbeginn überprüft werden.
Für eventuelle Gefährdungen können vorsorglich zusätzliche Gewichte bereitgestellt werden, z.B. in Absprache mit dem ansässigen Bauhof.
Auch eigene temporäre Bauten sollten durch Gewichte oder Erdnägel gesichert werden.
Geeignete Schutzräume (z. B. Sporthallen, Kirchen, Hallen, Fahrzeuge) identifizieren.
Die mögliche Nutzung vorab rechtzeitig mit den Eigentümer*innen abstimmen.
Etwa drei bis vier Tage vor Aufbau- bzw. Veranstaltungsbeginn sollten die Wetterprognosen aufmerksam beobachtet werden, um realistische Prognosen abzuleiten. So können Sie frühzeitig einschätzen, welche Gefahren durch Starkregen zu erwarten sind – und welche Maßnahmen notwendig werden.
Kommunikation ist entscheidend: Alle Maßnahmen sollten deutlich sichtbar und/oder über Informationstafeln, Medien bzw. Social Media angekündigt werden.
Hinweis: Diese Schwellenwerte orientieren sich an den Definitionen des DWD. Je nach Region, Bodenbeschaffenheit und Geländeform können die tatsächlichen Auswirkungen deutlich variieren.
Als Starkregen bezeichnet der Deutsche Wetterdienst Regenfälle mit einer Intensität von mehr als 15 mm pro Stunde oder 20 mm in sechs Stunden. Solche Ereignisse treten meist lokal begrenzt auf, können aber erhebliche Schäden verursachen – insbesondere, wenn Böden bereits gesättigt sind oder die Entwässerung überfordert ist.
Dauerregen beschreibt anhaltende Niederschläge über mehrere Stunden oder Tage. Die Belastung liegt hier weniger in der Intensität, sondern in der Gesamtmenge des gefallenen Wassers. Das führt zu aufgeweichten Flächen, erhöhter Rutschgefahr und möglichen Schäden an Wegen und Aufbauten.
Für Veranstaltungen bedeutet das: Schon geringe Höhenunterschiede oder versiegelte Flächen können den Wasserabfluss deutlich beeinträchtigen. Eine frühzeitige Geländeanalyse, angepasste Infrastruktur und regelmäßige Kontrolle sind daher entscheidend, um Risiken zu verringern.
Eine strukturierte Vorbereitung erleichtert den Umgang mit Stark- und Dauerregen erheblich. Unsere kostenlose »Checkliste Starkregen« bietet praxisorientierte Empfehlungen für alle Phasen der Veranstaltungsplanung – von der Standortwahl über technische Schutzmaßnahmen bis hin zum Krisenmanagement vor Ort.