Hitze bei
Veranstaltun­gen

Planung und Durchführung von Veranstaltungen bei hohen Temperaturen

Hohe Temperaturen stellen insbesondere Veranstaltungen im Freien zunehmend vor organisatorische und gesundheitliche Herausforderungen. Bei der Bewertung ist zu beachten, dass sich in Menschenansammlungen (z.B. vor Bühnen oder in engen Gassen) deutlich höhere Temperaturen ergeben können als in der Umgebung. Bei Hitze steigt z.B. das Risiko für Kreislaufprobleme, Sonnenstiche oder – im schlimmsten Fall – Hitzschläge. Eine frühzeitige Planung sorgt dafür, Belastungen für Besucher*innen, Personal und Aussteller*innen zu reduzieren und den Ablauf an die Wetterbedingungen anzupassen.

Die Checkliste „Hitze“ unterstützt dabei, Veranstaltungen auf hohe Temperaturen vorzubereiten. Weitere allgemeine Hinweise zur Klimaanpassung sowie Sicherheits- und Kommunikationskonzepte finden Sie auf der Übersichtsseite »Wetterunabhängige Empfehlungen«.

Klimatische und andere externe Risiken lassen sich nicht vollständig
verhindern und keine Veranstaltung kann eine absolute Sicherheit
gewährleisten. Umso wichtiger ist es, dass für den Eintrittsfall geeignete
Strategien zur Bewältigung möglicher Auswirkungen vorbereitet und
implementiert werden.
Jede Veranstaltung ist individuell. Erst eine standort-, format- und
situationsbezogene Risikoanalyse einschließlich Gefährdungsbeurteilung
ermöglicht die Ableitung passgenauer Maßnahmen für den jeweiligen
Veranstaltungsfall.
Die bereitgestellten Inhalte basieren auf einer Planung unter Berücksichtigung
realistischer Worst-Case-Szenarien. Sie dienen als fachliche Orientierung und
stellen allgemeine Empfehlungen dar. Neben den organisatorischen und
technischen Maßnahmen liegt ein Teil der Verantwortung jedoch auch bei den
Besucher*innen selbst.

Werkzeugkoffer zur Anpassung an Ihren individuellen Bedarf

Hier finden Sie Beispiele für Maßnahmen zum Umgang mit Hitze bei Veranstaltungen. Diese sind in zwei Kategorien unterteilt:

Langfristige Maßnahmen
(Prävention)

Langfristige, präventive Maßnahmen, die bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden sollten – etwa bei der Standortwahl, Infrastruktur oder Kommunikation.

Kurzfristige
Maßnahmen

Kurzfristige Maßnahmen, die unmittelbar vor und während der Veranstaltung greifen, zum Beispiel bei hohen Temperaturen bzw. ab bestimmten Grenzwerten.

Langfristige und vorbeugende Maßnahmen (Prävention)

Schon in der frühen Planungsphase lassen sich viele Schritte einleiten, um die negativen Auswirkungen von Hitze auf Besucher*innen und Mitarbeiter*innen zu verringern. Dabei sollten nicht nur Veranstalter*innen selbst aktiv werden: Auch Gastronomie, Stadtplanung, Rettungsdienst, Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk können wichtige Partner*innen in der Vorbereitung sein.

1. Sicherheit, Kommunikation, Controlling

Ein wirksamer Hitzeschutz beginnt bereits in der Planung
  • Bestehende Gefährdungsbeurteilungen und Sicherheitskonzepte sollten um Aspekte wie Hitzebelastung und Brandgefahr ergänzt werden.
  • Frühzeitig über Trinkwasserangebote, Schattenplätze oder Verhaltenshinweise informieren – etwa über Social Media, Infotafeln, LED-Wände oder die Bühnenmoderation.
  • Mitarbeitende (z. B. auch das Sicherheitspersonal) sollten vorab an Schulungen zur Ersten Hilfe bei Hitzeschäden teilnehmen und erlernen, typische Symptome wie Sonnenstich oder Hitzekollaps zu erkennen.
  • Nach der Veranstaltung sollte bewertet werden, welche Maßnahmen wirksam waren, um daraus eine Präventionsstrategie für künftige Veranstaltungen zu entwickeln.

2. Ausreichende Trinkwasserversorgung sicherstellen

Wasser ist der wichtigste Hitzeschutz
  • Einrichtung von Trinkwasserstationen am Netz oder zusätzliche mobile Wasserspender.

  • Regelmäßige Qualitätskontrollen in Abstimmung mit Stadtwerken, Gesundheitsamt oder Feuerwehr.

  • Gute Sichtbarkeit durch klare Beschilderung.

  • Einbindung bestehender Trinkbrunnen sowie Planung neuer Anlagen gemeinsam mit Stadtplanung und Gesundheitsamt.

  • Vereinbarungen mit Gastronomiebetrieben, damit Trinkwasser kostenlos oder zu einem reduzierten Preis abgegeben wird.

  • Bereitstellung von Mehrwegflaschen oder Bechern in der Nähe der Wasserstellen zur hygienischen und nachhaltigen Mitnahme des Wassers.

  • Ausreichend Toiletten, inkl. barrierefreier Austellerbuden, damit Besucher*innen ohne Hemmnisse genug trinken – besonders relevant für ältere Menschen.

3. Schatten und Sonnenschutz schaffen

Die Hitzebelastung entsteht nicht allein durch hohe Temperatur, sondern auch durch direkte Sonneneinstrahlung
  • Bereiche der Veranstaltungsfläche mit hoher Strahlenbelastung oder Engpässen mit möglichem Hitzestau (z. B. in Gassen) ermitteln.
  • Prüfen, ob eine kommunale Wärmeplanung oder eine digitale Standortkarte („Digitaler Zwilling“) vorliegt, um diese in die Planungen zu integrieren.
  • Wärmeempfindliche Ausstellerbuden wie z. B. Süßigkeitenstände auf natürliche Schattenplätze planen
  • Prüfen Sie vorhandene Bäume auf Standfestigkeit und Gesundheit, oder nutzen Sie mobile Pflanz- und Baumkästen (z. B. von regionalen Baumschulen) für Schattenplätze.
  • Langfristig kann die Pflanzung neuer Bäume Teil der städtischen Hitzestrategie werden.
  • Helle, reflektierende (Bühnen-) und Dachbeläge sollten verwendet werden, um die Wärmespeicherung zu reduzieren (in Absprache mit Veranstaltungstechnik oder Zeltverleih).
  • Wenn möglich Kopfbedeckungen (wie z. B. Hüte und Caps) oder Fächer anbieten – ggf. gesponsert durch (lokale) Werbepartner.
  • Auch Sonnencremespender oder Kooperationen mit z. B.  Apotheken können zum Schutz der Besucher*innen beitragen.
  • Natürliche Beschattung durch Bäume nutzen oder mobile Lösungen wie Pavillons, Pagoden oder Sonnensegel – auch für Wartebereiche und Eingänge – einplanen.
  • Wind, Gewitter und Regen sollten bei der Auswahl von Zelten oder Planen berücksichtigt werden; offene Seitenteile hingegen verbessern die Luftzirkulation.

4. Abkühlung und Rückzugsorte: Hitzebelastung verringern

Je mehr Möglichkeiten zur Abkühlung bestehen, desto sicherer und angenehmer verläuft die Veranstaltung
  • Vorhandene Brunnen oder Wasserspiele nutzen oder mobile Nebelduschen oder Sprühstationen einrichten – z. B. in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr oder den Stadtwerken.
  • Sitzgelegenheiten im Schatten und ausreichend Platz zum Ausruhen anbieten – insbesondere mit Ausstellungsstücken und Bänken in Holz- und Naturfarben.
  • „Mobile grüne Wohnzimmer“ oder bepflanzte Ruhezonen könnten zusätzliche Erholung und Atmosphäre schaffen.
  • Mit anliegenden Institutionen abstimmen, um im Bedarfsfall z. B.  Kirchen, Sporthallen oder klimatisierte Räume bei Bedarf als kühle Rückzugsorte zu öffnen.
  • Auch Kooperationen mit Freibädern können zusätzliche Entlastung bieten, müssen jedoch vorab an die Besucher*innen kommuniziert werden.
  • Ausreichend Erste-Hilfe-Zelte zur Verfügung stellen und an hohe Temperaturen anpassen sowie Klimatisierungsmöglichkeiten prüfen.
  • In Absprache mit den Gastronom*innen eine Auswahl leichter und wasserreicher Speisen anbieten, um den Nährstoff- und Flüssigkeitshaushalt zu unterstützen.
  • Leichte Kohlenhydrate wie Reis und Couscous sowie wasserreiche Obst- und Gemüsesorten wie Wassermelone und Gurke sind dabei besonders empfehlenswert.
  • Körperliche Belastungen in der Mittagshitze reduzieren, Pausen – auch beim Auf- und Abbau – verlängert und Stand-by-Personal einplanen.
  • Kühle Orte für Pausenzeiten schaffen und wärmeintensive Arbeitsorte wie Küchenbereiche z. B. durch Kühlaggregate oder Ventilatoren optimieren.
  • Die Kleiderordnung sollte gelockert werden.
  • Helle, atmungsaktive Stoffe oder Kühlwesten könnten dem Personal helfen, fit zu bleiben.
  • Veranstaltungen oder einzelne Programmpunkte sollten – falls möglich – in kühlere Jahres- oder Tageszeiten verlegt werden, etwa in die Morgen- oder Abendstunden.

Tipp: Erstellen Sie eine interne Aufgabenliste, in der Zuständigkeiten für Reaktionen auf Hitzeereignisse klar festgelegt sind. So bleibt auch in stressigen Momenten der Planung und Durchführung der Veranstaltung stets der Überblick gewahrt.

Kurzfristige Maßnahmen bei hohen Temperaturen

Vorbereitung in den Tagen vor der Veranstaltung

Etwa drei bis vier Tage vor Aufbau- bzw. Veranstaltungsbeginn sollten die Wetterprognosen aufmerksam beobachtet werden, um realistische Prognosen abzuleiten. So können Sie frühzeitig einschätzen, welche Temperaturen und Hitzebelastungen zu erwarten sind – und welche Maßnahmen notwendig werden.

Zur Bewertung empfehlen wir den sogenannten WBGT-Index (Wet Bulb Globe Temperature)*, der auch bei (internationalen) Sportveranstaltungen zunehmend eingesetzt wird. Im Unterschied zur einfachen Lufttemperatur berücksichtigt der WBGT auch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind. Damit lässt sich das tatsächliche Wärmebelastungsrisiko realistischer einschätzen – insbesondere für Besucher*innen und Mitarbeiter*innen im Freien.

Es gibt bereits verschiedene WGBT-Apps, z.B. WBGT Index-Wetter & Training (iOS) oder WBGT App (Android).

Hinweis: Die WBGT-Werte werden in Grad Celsius angegeben, entsprechen aber nicht der normalen Lufttemperatur. Ein WBGT-Wert von 28 °C kann z. B. bereits bei Lufttemperaturen um 33–35 °C erreicht werden. » Weitere Infos zum WBGT

Normal

WBGT bis 22 °C

Warnung

WBGT 22–24,9 °C

Alarm

WBGT 25–27,9 °C

Krise

WBGT 28–32 °C

Notfall

WBG über 32 °C

WBGT bis 22 °C

Keine Beeinflussung durch Hitze

Keine akuten Maßnahmen erforderlich.
Weiterhin regelmäßiges Wettermonitoring, z. B. über den Deutschen Wetterdienst (DWD) oder Satelliten-Wettersysteme.

WBGT 22–24,9 °C

Warnstufe

Die Temperaturen sind noch moderat, können aber bereits erste Belastungen verursachen – vor allem für vulnerable Gruppen.

Empfohlene Maßnahmen sind zum Beispiel:

Kommunikation ist entscheidend:
Alle Maßnahmen sollten deutlich sichtbar und/oder über Informationstafeln, Medien bzw. Social Media angekündigt werden.

WBGT 25–27,9 °C

Alarmstufe

Die Belastung für Körper und Kreislauf steigt deutlich. Besonders bei körperlicher Aktivität, direkter Sonne und wenig Wind besteht ein erhöhtes Risiko für Hitzeschäden.

Empfohlene Maßnahmen sind zum Beispiel:

WBGT 28 – 32 °C

Krisenstufe

Die Hitzebelastung erreicht ein kritisches Niveau. Ohne gezielte Maßnahmen drohen Kreislaufzusammenbrüche und gesundheitliche Notfälle.

Empfohlene Maßnahmen sind zum Beispiel:

WBGT über 32 °C

Notfallstufe

Die gesundheitlichen Risiken sind sehr hoch. Aufenthalte im Freien sind nur noch eingeschränkt zumutbar.

Empfohlene Maßnahmen sind zum Beispiel:

Fazit

Ab einer WBGT von 25 °C sollten Veranstalter aktiv Maßnahmen zum Hitzeschutz einleiten – je nach Intensität abgestuft. Eine klare Kommunikation, gute Trinkwasserversorgung und ausreichende Schattenzonen können entscheidend sein, um Veranstaltungen auch bei hohen Temperaturen sicher durchzuführen.
Der WBGT (Wet Bulb Globe Temperature) ist ein international anerkannter Index zur Bewertung der Hitzebelastung auf den menschlichen Körper. Im Gegensatz zur einfachen Lufttemperatur berücksichtigt der WBGT zusätzlich:
Damit erlaubt er eine realistische Einschätzung des Hitzestresses, dem Menschen bei körperlicher Aktivität im Freien ausgesetzt sind – etwa auf Festivals, Sportveranstaltungen oder Sommerfesten.

Mehr über den WBGT erfahren

Die Berechnung erfolgt nach ISO 7243 / DIN EN 27243 auf Basis von drei Messgrößen:

  • Tnwb – Feuchtkugeltemperatur („Natural Wet Bulb Temperature“)
    Misst die kühlende Wirkung der Verdunstung; entscheidend bei hoher Luftfeuchtigkeit.
  • Tg – Globustemperatur („Globe Temperature“)
    Misst die Wärmestrahlung (z. B. Sonnenstrahlung) über eine schwarze Kugel (150 mm Ø).
  • Ta – Lufttemperatur (Trockentemperatur)
    Misst die normale Umgebungstemperatur.


Für Außenbereiche gilt die Formel:

WBGT = 0,7 × Tnwb + 0,2 × Tg + 0,1 × Ta

Für Innenräume oder schattige Außenbereiche (ohne direkte Sonneneinstrahlung):

WBGT = 0,7 × Tnwb + 0,3 × Tg

Die einfache Angabe von „30 °C im Schatten“ reicht nicht aus, um das Hitzestressrisiko realistisch zu erfassen – gerade bei:

  • Direkter Sonneneinstrahlung auf Publikum / Crew
  • Hoher Luftfeuchtigkeit (z. B. nach Gewitterregen)
  • Fehlender Luftbewegung (z. B. in engen Zuschauerbereichen)
  • Hoher körperlicher Aktivität (z. B. Tänzer:innen, Security, Techniker:innen)
  • Gefährdungsbeurteilungen nach Arbeitsschutzgesetz zu ergänzen (z. B. für Aufbaupersonal)
  • Präventionsmaßnahmen zu begründen (z. B. Trinkpausen, Schichtverkürzung, Schattenspender)
  • Hitzewarnstufen für Besucher*innen zu definieren (z. B. Anpassung des Musikprogramms, Bereitstellung von Wasserstationen)
  • WBGT-Messgeräte sind mobil verfügbar (ab ca. 200 €) – gängig z. B. Extech HT30, PCE-WBGT 10. 
  • Es existieren auch WBGT-Apps mit Näherungswerten basierend auf Wetterdaten, z. B. von OSHA (USA) oder lokale DWD-Modelle. 
  • Internationale Leitlinien – etwa der American College of Sports Medicine (ACSM) – geben klare Handlungsempfehlungen ab einem bestimmten WBGT-Wert (>28 °C = Gefährdung hoch).
  •  

Download der Checkliste

Eine strukturierte Vorbereitung und klare Zuständigkeiten sind entscheidend, um Veranstaltungen auch bei hohen Temperaturen sicher umzusetzen. Unsere Checkliste bietet eine Übersicht zentraler Maßnahmen und dient als Unterstützung bei Planung und Durchführung. Laden Sie hier die kostenlose Hitze-Checkliste als PDF herunter und machen Sie Ihren Veranstaltungsort fit für Ihr Fest.